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Christl Gebert schenkte 40 Jahre lang ihre Zeit

| News Witten

50 Jahre Grüne Damen und Herren

„Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Dienst, ich wusste zuerst gar nicht, was genau ich machen soll“, erinnert sich Christl Gebert mit einem Schmunzeln an den März 1976. Es war die Geburtsstunde der Grünen Damen und Herren im Evangelischen Krankenhaus Witten, das heute zum EVA Ruhr (Evangelischer Verbund Augusta Ruhr) mit sieben Klinikstandorten gehört. Das EvK ist damals das erst zweite Krankenhaus in NRW, in dem sich die Ehrenamtlichen engagieren. In dieser Woche feiern die Grünen Damen und Herren in Witten ihr 50-jähriges Bestehen. Christl Gebert zählt zu den Gründungsmitgliedern. Fast 40 Jahre lang hat sie den grünen Kittel getragen, das Markenzeichen der ehrenamtlichen Initiative. 

Die junge Frau war damals einem Aufruf des Krankenhaus-Seelsorgers Dieter Pfarre und der Wittenerin Ingrid Kreuder gefolgt. 59 Damen und ein Herr hatten sich seinerzeit darauf gemeldet. Eben auch Christl Gebert. Sie war Anfang der 70er Jahre mit ihrem Mann aus Süddeutschland ins Ruhrgebiet gezogen; erst nach Bochum, später nach Witten. Der Aufruf kam für die Hausfrau und zweifache Mutter genau richtig, fiel er doch in eine Zeit, als der jüngste Sohn gerade in den Kindergarten gekommen war und sie damit wieder etwas mehr Kapazitäten hatten. „Das Ehrenamt im EvK hat mir unheimlich geholfen, in Witten Fuß zu fassen“, erinnert sich die heute 83-Jährige. Und: Es war eine willkommene Abwechslung zum Alltag, der damals von Haushalt und Familie geprägt war. Eine Abwechslung, die Christl Gebert allerdings sehr ernst nahm. Denn: Der Dienstag war in ihrem Kalender fortan für die Grünen und Herren reserviert, das wussten alle. „Wenn man ein Ehrenamt übernimmt, muss man auch zuverlässig sein“, findet die Wittenerin. Und so konnte sie in ihrer fast 40-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit die Tage, an denen sie dienstags nicht im Dienst war, beinahe an einer Hand abzählen. 

Doch zurück zu den Anfängen, den ersten Diensten auf der chirurgischen Station, damals noch im alten Diakonissenhaus: „Es war von Beginn an festgelegt, dass wir keine pflegerischen Aufgaben übernehmen dürfen“, blickt Christl Gebert zurück. Obwohl sie als gelernte Arzthelferin dazu in der Lage gewesen wäre, hielt sie sich daran. Statt in der Pflege zu helfen, beschränkte sich Christl Gebert auf etwas, das mindestens genauso wichtig war: Zeit schenken. „Ich habe schnell festgestellt, dass die Patienten von ganz allein zu erzählen beginnen, wenn man sich nur die nötige Zeit nimmt“, so die Wittenerin. Und so hat sie in den Jahrzehnten ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit den Sorgen vieler Kranken ein Ohr geschenkt. Sie hat viele Schicksale am Patientenbett begleitet, Leidensgeschichten mitunter auch mit nach Hause genommen. Etwa die eines jungen Mannes, der mehrere Wirbel gebrochen hatte und sechs Wochen lang ganz flach auf dem Rücken liegen musste. „Das hat mich damals unglaublich beeindruckt“, erinnert sich Christl Gebert. 

Mit ihrer geschenkten Zeit hat Christl Gebert den Patienten viel gegeben – aber auch selbst viel mitgenommen: Als junge Mutter von zwei Söhnen bekam sie von älteren Patienten oft Ratschläge fürs Leben, die sie ihr Leben lang beherzigt hat. Was für sie aber noch viel prägender war: „Ich habe so viele Schicksale gesehen, dass ich unglaublich dankbar war, dass es uns so gut ging. Gesunde Kinder, keine finanziellen Sorgen – ich habe gelernt, all das viel mehr wertzuschätzen“, sagt Christl Gebert.

Als die Wittenerin wieder ihrem gelernten Beruf nachging, ließ sie das Ehrenamt zwischenzeitlich ruhen. Doch lange hielt sie es ohne den grünen Kittel nicht aus. Mit ihrer Rückkehr ins EvK änderte sich allerdings ihre Tätigkeit. Statt Patienten auf den Stationen zu besuchen, half sie nun an der Information aus, packte in der Bücherei mit an oder backte im Wohnzimmer der Palliativstation Waffeln. Bis die Corona-Pandemie 2020 das Leben ausbremste und auch die Ehrenamtlichen zur Pause zwang.

Für Christl Gebert war es allerdings kein Abschied auf Zeit, sondern das Ende ihrer Tätigkeit als Grüne Dame. Denn als sich die Lage eineinhalb Jahre später langsam entspannte, hängte sie ihren grünen Kittel an den Haken. „Das Ehrenamt fehlt mir schon sehr“, gesteht die 83-Jährige. „Aber alles hat eben seine Zeit“, sagt die Wittenerin und streicht mit der Hand den grünen Kittel glatt, den sie als Andenken zum Abschied bekam. Tief in ihrem Herzen ist sie auch heute noch eine von ihnen: eine der Grünen Damen und Herren im EvK Witten.