Zum eigenen Kopfschmerzmanager werden

Menschen in Saal

25. November 2021

Kopfschmerzen sind lästig, quälend und sie mindern mitunter die Lebensqualität enorm: Wie Betroffene ihr Leiden in den Griff bekommen und zum eigenen Kopfschmerzmanager werden können, darüber informierte Dr. Sylke Düllberg-Boden.

Die Chefärztin der Klinik für Neurologie im Evangelischen Krankenhaus Herne referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Medizin konkret“ des EvK Witten. Im Lukaszentrum nahm sie von den mehr als 200 Kopfschmerz-Arten die beiden häufigsten Formen in den Blick: den Spannungskopfschmerz und die Migräne.
Stress kann für beide Formen Auslöser sein. „Ausdauersport kann helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen. Sport ist kein Mord“, sagt Sylke Düllberg-Boden, die freitags auch in der Neurologischen Praxis im EvK Witten eine Sprechstunde für ambulante Patienten anbietet, mit einem Augenzwinkern. Zur Prophylaxe rät sie Betroffenen dreimal die Woche zu mindestens 20 Minuten Ausdauersport. Auch Entspannungstechniken und Stressbewältigungstraining können Kopfschmerzen vorbeugen. „Migräne dagegen ist mehr als ein Kopfschmerz: Es ist eine getriggerte Entzündung des Nervensystems“, erklärt die Fachärztin für Neurologie. Die Auslöser (Trigger) können dabei ganz unterschiedlich sein: Bei manchen lösten Hormonschwankungen oder ein Wetterumschwung eine Migräne aus, andere reagierten auf bestimmte Lebensmittel wie Käse oder Rotwein.
Um ein Gespür für seine Kopfschmerzen zu bekommen und sie so im besten Fall zu lindern, rät Sylke Düllberg-Boden Patient*innen zu einem Kopfschmerzkalender. Darin können sie notieren, wie oft im Monat sie unter Kopfschmerzen leiden, wie lange und wie häufig. Hilfreich ist auch zu vermerken, welche Medikamente wie gut wirken und wie oft sie eingenommen werden. In Absprache mit einem Arzt können Kopfschmerz-Patient*innen so nicht nur herausfinden, ob zum Beispiel die Medikamente zur Schwere der Kopfschmerzen und zum Kopfschmerztyp passen, sondern auch ihr Risiko für chronische Kopfschmerzen erkennen: „Wenn ich dreimal im Monat unter Migräne leide oder eine Attacke meist länger als 72 Stunden dauert, dann ist das schon sehr viel und sollte abgeklärt werden“, rät die Neurologin. Migräne lasse sich zwar nicht heilen, durch eine medikamentöse Prophylaxe aber durchaus erträglicher machen. „Im Idealfall leiden Migränepatienten dann nur noch halb so häufig unter Migräneattacken“, so Sylke Düllberg-Boden. Allerdings sei hier Geduld gefragt: Vier bis acht Wochen brauche es, um einen Effekt zu erkennen. Nach neun bis zwölf Monaten könne die Therapie dann versuchsweise ausgesetzt werden.

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