EvK-Chefarzt für Innovationspreis nominiert

Mann mit Brile

21. Oktober 2021

Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am EvK, hat eine Web-App entwickelt, die Nebenwirkungen von Medikamenten auf den Hartrakt auf einen Klick anzeigt.

Mit nur wenigen Klicks können Ärztinnen und Ärzte neuerdings Medikamente aufspüren, von denen Nebenwirkungen auf den Harntrakt ausgehen können. Möglich macht das der „Wittener Harntraktrechner“. Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Evangelischen Krankenhaus Witten und Deutschlands erster Professor für Uro-Geriatrie, hat die Internetanwendung (www.harntrakt.de) zusammen mit seiner Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke entwickelt. Dank der Web-App ist es erstmals möglich, bei der Neuverordnung eines Medikaments einzuschätzen, ob es bei den jeweils bekannten Risiken und Vorerkrankungen der Patient*innen zu Nebenwirkungen im Harntrakt kommen kann. Für das Projekt wurde Prof. Dr. Wiedemann für den Innovationspreis der Deutschen Kontinenzgesellschaft nominiert, der im November verliehen wird.
Dass viele Medikamente teilweise unbekannte Nebenwirkungen entfalten, sich nicht mit anderen Medikamenten vertragen oder deren Abbau hemmen oder fördern, sei gerade in der Altersmedizin seit Langem bekannt. Oftmals schaukele sich die Multimedikation, bei der ältere Menschen fünf, zehn oder gar 15 Medikamente gleichzeitig nehmen müssen, zu einem gefährlichen Cocktail auf, so Andreas Wiedemann. „Besonders gefährlich ist es, wenn die Nebenwirkungen auf einem anderen Fachgebiet auftreten, das nicht zu dem eigentlichen Einsatz des jeweiligen Medikaments gehört“, weiß der Urologe. Weil es bisher keine Übersicht jener Medikamente gab, die zu Beschwerden im Harntrakt führen, haben Dr. Wiedemann und sein Team den Harntraktrechner entwickelt. Dazu haben sie medizinische Datenbanken durchsucht und die dort genannten Nebenwirkungen mit den aktuellsten Forschungsarbeiten abgeglichen. Das Ergebnis ist eine Liste mit 257 Medikamenten, von denen zumindest theoretisch ein Risiko ausgeht. Wie viele dieser Medikamente tatsächlich schon selten, manchmal oder häufig zu Nebenwirkungen im Harntrakt geführt haben, bewerteten schließlich 33 Expertinnen und Experten. So sind nun zwei Listen mit Punktwerten (scores) entstanden, die urologisch tätige Ärztinnen und Ärzte nutzen können. Sie können sich mit der Internetanwendung aber nicht nur Nebenwirkungen spezieller Medikamente oder Wirkstoffe anzeigen lassen, sondern über eine Suchfunktion unter Angabe der Nebenwirkungen auch medikamentöse Übeltäter aufspüren. Mithilfe der Web-App kann zukünftig außerdem ein bestehender Medikationsplan im Hinblick auf bestehende Beschwerden im Harntrakt unter die Lupe genommen werden. „Wir glauben, mit dem Harntraktrechner ein praxistaugliches Instrument geschaffen zu haben, weil es schnell und zuverlässig speziell für den Harntrakt Auskunft gibt“, so Prof. Wiedemann.
Die Entwicklung der Internetanwendung wurde mit Unterstützung der Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH ermöglicht.

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