Tagung rückt Tabuthemen in den Mittelpunkt

31. Kongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft
Prof. Dr. Andreas Wiedemann (r.), Chefarzt der Klinik für Urologie am Ev. Krankenhaus Witten, leitete gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Gert Naumann, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Helios Klinikum Erfurt, die Tagung als Kongresspräsident.

9. Dezember 2019

EvK-Chefarzt Prof. Dr. Andreas Wiedemann leitete Treffen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft als Kongresspräsident

Mit über neun Millionen Betroffenen in Deutschland ist Inkontinenz eine Volkskrankheit, an deren Behandlung und Heilung Experten aus Medizin, Pflege und Therapie mitwirken. Rund 1200 von ihnen – so viele wie noch nie – trafen sich zum 31. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in der Messe Essen. Tagungspräsident war in diesem Jahr Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Ev. Krankenhaus Witten, gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Gert Naumann, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Helios Klinikum Erfurt.

Das Motto des größten Treffens im deutschsprachigen Raum zu Themen rund um Blasenschwäche, Harn- und Stuhlinkontinenz lautete „voneinander und miteinander lernen“. Es spiegelte sich in einem ausgewogenen Programm wider, das berufsgruppenübergreifend zum interdisziplinären Austausch anregte. Die zwei kompakten Kongresstage waren gefüllt mit wissenschaftlichen Vorträgen, Fortbildungskursen, Workshops sowie Industriesymposien, moderiert und konzipiert von nationalen und internationalen Referenten.

„Die vermeintlichen Tabuthemen sind hochaktuell und stehen im Mittelpunkt“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Gert Naumann. „Weil sich immer mehr Betroffene trauen, ihr Leiden zu formulieren, weil die Forschung immer effektivere Therapien entwickelt – und ganz besonders auch aufgrund des demografischen Wandels, der zukünftig ganz besondere Herausforderungen gerade auch an unseren medizinischen Sektor stellen wird.“ Prof. Dr. Andreas Wiedemann ergänzt: „So wird auch die Betreuung sehr alter Menschen mit Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen stark an Bedeutung gewinnen und alle beteiligten Disziplinen in hohem Maß fordern – das gilt insbesondere auch für die Uro-Geriatrie. Darauf bereiten wir uns vor. Das zeigte sich auch in den vielen Sitzungen zu diesen Themen.“ Was die beiden Kongresspräsidenten sehr freute: „Eine Vielzahl der wissenschaftlichen Kurzvorträge wurde von jungen Kolleginnen und Kollegen eingereicht.“

Fazit der beiden Fachärzte: „Die Zusammenarbeit von Gynäkologen, Urologen, Koloproktologen, Physiotherapeuten und Pflege war bei unserem Kongress gelebte Realität. Kein medizinisches Treffen bietet eine solche Interdisziplinarität und Interprofessionalität, die in Essen besonders intensiv angenommen wurde.“

Wie in jedem Jahr wurden bei der Tagung auch die besten Beiträge ausgezeichnet. Nachdem Prof. Wiedemann in den beiden Vorjahren jeweils den Preis für den besten Abstract des Kongresses gewonnen hatte, räumte diesmal sein Doktorand Lucas Wechselberger den mit 1500 Euro dotierten Nachwuchspreis der Deutschen Kontinenz Gesellschaft ab. Seine Studie mit dem Titel „Obstipation und Überaktive Blase – gibt es einen Zusammenhang? Ergebnisse einer urodynamisch kontrollierten Studie unter den Bedingungen einer Rektumdistension“ überzeugte die Jury. In der Doktorarbeit an der Universität Witten/Herdecke geht es um den Zusammenhang zwischen einer überaktiven Blase und Verstopfung. Bei einer Blasendruckmessung wurde künstlicher Stuhldrang mit einem Blasenkatheter-Ballon im Enddarm erzeugt. Im Ergebnis zeigte sich, dass das Fassungsvermögen der Blase sinkt. Damit werden Reizblasenbeschwerden verstärkt.

„Wir vermuten stark, dass es einen Zusammenhang mit dem Rückenmark gibt, über das ja viele Signale im Körper transportiert werden. Wenn es mit Impulsen vom Enddarm angesteuert wird, kommen diese in der Blase an und die wird funktionell kleiner. Entgegen der landläufigen Meinung macht also Verstopfung keine Blasenentleerungsstörung, sondern Reizblase“, erklärt Lukas Wechselberger die Ergebnisse der Studie.

Im Vorfeld des Kongresses hatten die beiden Tagungspräsidenten bereits bei einem Patientenforum für Betroffene im Lighthouse Essen über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten bei Inkontinenz aufgeklärt. Im ersten Vortrag über Harninkontinenz bei der Frau machte Priv.-Doz. Dr. Gerd Naumann deutlich, dass Probleme mit der Blase nicht hingenommen werden müssten. Die Therapie sei oft unkomplizierter als zuvor angenommen. Prof. Dr. Andreas Wiedemann bekräftigte dies – und nahm in seinem Vortrag die Männer ins Gebet. „Gerade Männer behalten ihre Probleme oft zu lange für sich“, mahnte er. Dazu gäbe es keinerlei Grund. „Für jedes Anliegen gibt es eine passende Lösung.“

Zurück zur vorherigen Seite

Bilderstrecke: Impressionen vom Kongress

31. Kongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft 31. Kongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft 31. Kongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft 31. Kongress der Deutschen Kontinenzgesellschaft