WAZ-Medizinforum: Was tun bei lästigen Gallensteinen?

WAZ Medizinforum am Evk Witten
(v.l.): Moderator Jürgen Augstein (Leiter WAZ Redaktion Witten) und die Referenten Dr. Evelyn Luhrenberg (Fachärztin für Innere Medizin, Gemeinschaftspraxis Innere Medizin), Gholam Abass Dehzad (Oberarzt der Klinik für Innere Medizin), Matthias Blase (Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Torsten Hüber (Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie)

6. Juni 2019

Nicht immer muss bei Gallensteinen gleich ein Chirurg ran, erklärten die Ärzte beim WAZ-Medizinforum im Ev. Krankenhaus Witten.

Gallensteine sind nicht nur lästig, sie können den Betroffenen das Leben zur Hölle machen – und „Schmerzen von 0 auf 100 verursachen, so stark wie bei einer Geburt in der Austreibungsphase“. Dr. Evelyn Luhrenberg schilderte das Problem gleich zu Beginn des WAZ-Medizinforums äußerst anschaulich. 40 Leser, die teils selbst ihre leidvollen Erfahrungen gemacht haben, waren ins Evangelische Krankenhaus gekommen.

Dabei sind die Störenfriede überhaupt kein neues Problem. „Schon Ötzi hatte welche“, erklärte die Internistin bei der von Redaktionsleiter Jürgen Augstein-Peschel moderierten Veranstaltung. An zu viel Currywurst mit Pommes dürfte es bei ihm nicht gelegen haben. Dennoch ließ die Expertin keinen Zweifel: Fettreiche Ernährung und Übergewicht begünstigen die Entstehung von Gallensteinen, ebenso wie das Geschlecht übrigens. Frauen sind etwa doppelt so häufig davon betroffen wie Männer. Aber auch Menschen ganz ohne Risikofaktoren kommen nicht immer ungeschoren davon, wenn die Gene nicht mitspielen. „Es gibt regelrechte Gallenstein-Familien“, sagte Luhrenberg.

Beileibe nicht jeder, der einen Stein hat, hat auch Schmerzen

Immerhin: Beileibe nicht jeder, der einen Stein hat, hat auch Schmerzen. Etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung hat zwar Gallensteine. Aber nur bei einem Viertel führen sie im Laufe des Lebens zu Beschwerden. Manchmal helfen Schmerzmittel, Krampflöser und warme Wickel. Wenn es schlimmer wird, dann sind die Ärzte gefragt – aber es müssen nicht gleich die Chirurgen sein.

Komme ein Patient mit den typischen Schmerzen im Oberbauch ins EvK, werde stets von Internisten und Chirurgen gemeinsam beraten, wie vorzugehen sei, sagte Internist Gholam Abass-Dehzad beim Medizinforum. Erstes Mittel der Diagnostik sei immer der Ultraschall, durch den sowohl Steine als auch eine Entzündung der Gallenblase gut sichtbar zu machen seien.

„Die Diagnose haben wir in fünf bis zehn Minuten“, so der Mediziner. Schwieriger sei es, wenn ein kleiner Stein im Gallengang feststecke. Dann werde ein ERCP nötig, also der Blick nach innen mit dem endoskopischen Ultraschall. Vorteil dieser Methode: Wird ein Stein gefunden, kann er gleich mit einem Körbchen oder Ballon an der Spitze des Endoskops entfernt werden – was Fotos und Videos eindrucksvoll belegten.

Heute werde so ein Eingriff in der Regel minimal-invasiv durchgeführt

Wenn aber nicht nur der Stein, sondern auch die Gallenblase raus muss, dann sind die Chirurgen dran. Heute werde so ein Eingriff in der Regel minimal-invasiv durch drei kleine Schnitte durchgeführt, erklärte Matthias Blase, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Eine offene Bauch-OP sei nur selten nötig, etwa bei ganz schweren Entzündungen, Verwachsungen oder anatomischen Besonderheiten.

Auch durch die kleinen Löcher von etwa fünf Millimetern – eins davon am Nabel – sei eine Gallenblase gut und problemlos zu entfernen, so Blase. Die Methode, narbenlos nur durch den stark geweiteten Nabel zu operieren, habe sich dagegen nicht durchgesetzt. Dabei sei es häufiger zu Komplikationen gekommen – und auch die OP sei dabei komplizierter.

Die Operation selbst sei keine große Sache, versicherte der Chef-Chirurg. Drei Tage dauere der stationäre Aufenthalt in der Regel. Blase: „Nach einer Woche körperlicher Schonung hat der Patient meist keinerlei Einschränkungen mehr.“ Doch auch wenn es heutzutage viele schonende Wege gibt, die lästigen Störenfriede loszuwerden – besser ist, man hat keine. Oder wie Dr. Luhrenberg sagte: „Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Steine von Swarovski sind und nicht von McDonald’s.“

Quelle: WAZ Witten, 06.06.2019

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