Damit Mann wieder kann

Vortragsreihe Medizin konkret im Ev. Krankenhaus Witten
Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Ev. Krankenhaus Witten, beim Vortrag

1. Februar 2019

„Medizin konkret“-Vortrag am Ev. Krankenhaus Witten informierte über Sexualmedizin des Mannes

Wenn der Mann nicht mehr kann, muss er sich mit diesem Schicksal nicht zwangläufig abfinden. „Der Urologe kann in vielen Fällen helfen“, betonte Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie, beim gut besuchten Vortrag der Reihe „Medizin konkret“ am Ev. Krankenhaus zum Thema „Sexualmedizin des Mannes“. „Man muss nur seine Scham überwinden und zum Arzt gehen.“

Eine Erektionsschwäche kann viele Ursachen haben, erläutert Prof. Wiedemann. Neben psychischen Belastungen können Erkrankungen der Blutgefäße wie Arterienverkalkung, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Operationen, verschiedene Medikamenten oder hormonelle Störungen die Gliedsteife beeinträchtigen. Auch Rauchen, Alkohol oder Übergewicht können die Potenz negativ beeinflussen. „Zu viel Steaks und Frikadellen sind schlecht für die Libido des Mannes“, sagt der Chefarzt. Das im Bauch gespeicherte Fett sei ein hormonaktives Gewebe, das dafür sorgt, dass anstelle des männlichen Geschlechtshormons Testosteron verstärkt weibliche Östrogene produziert werden. Dies ist auch ein Risiko für Stoffwechselerkrankungen.

Die Behandlung der Erektionsstörungen erfolgt in den meisten Fällen durch Medikamente. Lässt sich die gewünschte Wirkung nicht mit Tabletten erzielen, können erektionsfördernde Substanzen auch in den Schwellkörper gespritzt werden. Weitere Möglichkeiten sind eine Vakuumpumpe oder als letzter Ausweg der Einsatz einer Schwellkörperprothese. Im Übrigen seien Erektionsstörungen nicht zwangsläufig ein Problem des Alters, betont Prof. Wiedemann. Zwar steigt die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Lebensalter an. „Aber es gibt 80- bis 90-Jährige, die regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, und 20-Jährige, die noch nie eine Erektion hatten.“

Der Chefarzt der Urologie spricht in seinem Vortrag noch weitere Phänomene an, die ein erfülltes Sexualleben erschweren. Bei der sogenannten „Induratio penis plastica“ führen Kalkablagerungen im Schwellkörper dazu, dass sich sich der Penis zunehmend verkrümmt, was den Geschlechtsverkehr schwierig bis unmöglich macht. Hier hilft nur eine Operation. Konservative Therapien mit zum Teil sehr teuren Präparaten hätten allenfalls einen Placebo-Effekt. Beim vorzeitigen Samenerguss gibt es inzwischen Medikamente, die eine Ejakulation verzögern können, erläutert Prof. Wiedemann. „Vor fünf Jahren konnte man noch nichts dagegen machen.“

Fragen aus dem Publikum zeigen, dass insbesondere die negative Wirkung von vielen Medikamenten auf die Potenz sowie der Zusammenhang von Prostataerkrankungen und Erektionsstörungen für viele Zuhörer von großem Interesse sind. Vor allem bei letzterem ist es oft eine Abwägungssache, erklärt Prof. Wiedemann. Denn Testosteron ist nicht nur wichtig für die Potenz – bei Prostatakrebs beispielsweise fördert es auch das Tumorwachstum.

Unter dem Motto „Medizin konkret“ informiert das Ev. Krankenhaus Witten regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie. Beim nächsten Vortrag am Mittwoch, 20. März 2019, spricht Dr. Sylke Düllberg-Boden, Fachärztin für Neurologie, um 17 Uhr über Schwindel.

Zurück zur vorherigen Seite