Wenn das Gedächtnis nachlässt

Vortragsreihe Medizin konkret im Ev. Krankenhaus Witten
Die Referenten (v.l.) Dr. Thomas Horacek (Kardiologischer Oberarzt der Klinik für Innere Medizin, Studienarzt Forschungszentrum Ruhr), Frank Hübner (Liaisondienst) und Dr. Ulrich Weitkämper (Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Tagesklinik) bei ihren Vorträgen.

22. Oktober 2018

„Medizin konkret“-Vortrag am Ev. Krankenhaus Witten informierte über Demenz und die Versorgung geriatrischer Patienten

Wenn Namen und Erlebnisse verschwinden, die Orientierung auch in vertrauter Umgebung schwer fällt oder Worte fehlen, können dies Anzeichen für eine demenzielle Erkrankung sein. „Demenz – Wenn das Gedächtnis nachlässt“ lautete das Thema beim sehr gut besuchten Vortrag der Reihe „Medizin konkret“ am Ev. Krankenhaus Witten.

„Ich suche auch ständig meinen Schlüssel“, verrät Dr. Ulrich Weitkämper, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Tagesklinik. „Das ist in gewissem Rahmen normal. Ich habe ihn jedoch noch nie im Kühlschrank wiedergefunden.“ Wenn Personen Gegenstände an ungewöhnlichen Orten deponieren und andere verdächtigen, sie versteckt zu haben, kann dies auf eines von sieben Warnzeichnen hindeuten, an denen eine Demenz erkannt werden kann. Dr. Weitkämper zählt weitere auf: Die Person wiederholt immer die gleiche Frage. Sie wiederholt immer die gleiche Geschichte. Alltägliche Verrichtungen werden schwieriger oder funktionieren nicht mehr. Der Umgang mit Geld, Überweisungen und Rechnungen wird schwieriger. Die Person vernachlässigt ihr Äußeres, bestreitet dies aber. Fragen beantwortet sie, indem sie diese wiederholt.

Die Diagnostik einer Demenzerkrankung ist komplex und erfordert eine Vielzahl an Untersuchungen, erläutert Dr. Weitkämper. Dazu gehört zum Beispiel der Uhrentest, bei dem der Patient ein Zifferblatt mit Zeigern aufmalen soll. Immer werden auch Angehörige, Pflegepersonal, nach Möglichkeit der Hausarzt und ggf. weitere Personen befragt. Zudem muss immer auch eine Kernspin- oder Computertomografie gemacht werden, um auszuschließen, dass etwa eine Entzündung, eine Hirnblutung, ein Schlaganfall oder ein Tumor die kognitiven Ausfälle verursacht. Ein entscheidendes Kriterium bei der Diagnose einer Demenz ist auch, dass die Störung über mehrere Monate anhält.

Hauptrisikofaktor für eine Demenz ist das Lebensalter, erklärt Dr. Weitkämper. Deshalb steigt die Zahl der Menschen mit demenziellen Veränderungen aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung stetig an. Andere Faktoren lassen sich beeinflussen: So sei erwiesen, dass zum Beispiel körperliche und geistige Betätigung, soziale Kontakte und eine gesunde Lebensweise das Risiko einer demenziellen Erkrankung reduzieren bzw. diese später auftreten lassen, erläutert der Chefarzt. Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sollten gut eingestellt werden, da auch sie das Risiko deutlich erhöhen können.

Inzwischen gibt es Medikamente, von denen man glaubt, dass sie das Fortschreiten einer Alzheimer-Erkrankung, der häufigsten Demenzform, verzögern können, sagt Dr. Weitkämper. Dr. Thomas Horacek, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Studienarzt am Forschungszentrum Ruhr, stellt dazu zwei Studien vor, die zurzeit weltweit durchgeführt werden. Bei der einen geht es darum, bei Patienten mit einer leichten Alzheimer-Demenz durch hochdosierte Medikamente die Ablagerungen im Gehirn zu entfernen mit dem Ziel, die Erkrankung aufzuhalten. Die zweite richtet sich an Patienten mit einer genetischen Disposition, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung in sich tragen. Hier geht es darum, durch Prophylaxe einen Ausbruch zu verhindern bzw. zu verzögern.

Für eine umfassende Versorgung älterer Patienten – auch mit demenziellen Veränderungen – über das Krankenhaus hinaus wurde der geriatrische Versorgungsverbund „Netzwerk Geriatrie“ im Ev. Verbund Ruhr (EVR) geschaffen mit dem Ev. Krankenhaus als zentralem Knotenpunkt in Witten. Kein Patient über 75 Jahre soll unversorgt nach Hause entlassen werden. Bei der Aufnahme wird deshalb ein sogenanntes ISAR-Screening (Identification of seniors at risk) durchgeführt. „Dies hilft uns, einen möglichen geriatrischen Versorgungsbedarf zu ermitteln“, erklärt Casemanager Frank Hübner vom Liaisondienst. Wird eine bestimmte Punktzahl überschreiten, klärt er in einem zwanglosen Gespräch mit dem Patienten und/oder seinen Angehörigen die häusliche Situation und den sich daraus ergebenden Hilfebedarf.

Für eine umfassende geriatrische Versorgung wurden Kooperationen mit stationären Pflegeheimen, ambulanten Diensten und niedergelassenen Vertragsärzten geschlossen. Zwei Partner, die Alzheimergesellschaft und das Netzwerk Demenz, verteilten bei der Veranstaltung Informationsmaterial. Ziel ist die Betreuung der älteren Menschen durch intensive Vernetzung und Bündelung von Kompetenzen und einer Weiterentwicklung der regionalen Versorgungsstrukturen.

Unter dem Motto „Medizin konkret“ informiert das Ev. Krankenhaus Witten an jedem dritten Mittwoch im Monat um 17 Uhr über ein aktuelles Thema aus den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie.

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