Das Leid mit der Prostata

Patienten-Informationstag der Klinik für Urologie am Ev. Kranken
Chefarzt Dr. Andreas Wiedemann stellt Therapiemöglichkeiten bei gutartiger Prostatavergrößerung vor.

2. Dezember 2011

Unter dem Motto „Vom Kürbiskern zum Laser“ informierte die Urologie des Ev. Krankenhauses Witten über die gutartige Prostatavergrößerung

„In der Jugend sorgt die Prostata für den Spaß, im Alter macht sie Probleme“, erklärte der niedergelassene Urologe Dr. Matthias Bongert beim Patienten-Informationstag der Klinik für Urologie am Evangelischen Krankenhaus Witten. Rund 140 Zuhörer, überwiegend männlichen Geschlechts, waren in die Krankenhauskapelle gekommen, um sich über Diagnostik und Therapie der Gutartigen Prostatavergrößerung zu informieren.

Das Leiden betrifft mit zunehmendem Alter nahezu jeden Mann mehr oder weniger stark. Denn die normalerweise etwa walnussgroße Drüse, die einen Teil der Samenflüssigkeit produziert, fängt bei den meisten Männern mit zunehmendem Alter aufgrund hormoneller Veränderungen an zu wachsen. Durch das Gewebewachstum wird die Harnröhre verengt, was zu Problemen beim Wasserlassen führen kann. Dr. Bongert erläutert ausführlich den Ablauf der Untersuchung in der Praxis, die auch aus Gründen der Krebsvorsorge für Männer ab 45 einmal im Jahr empfohlen wird.

Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, informiert über die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten, die vom Stadium der Erkrankung und dem Ausmaß der Beschwerden abhängen. Bei leichten Beschwerden würden Naturprodukte wie Kürbiskerne, Sägepalmfrüchte, afrikanische Wurzelknolle, Roggenpollenextrakt oder Brennnesselwurz ausreichen, erläutert Dr. Wiedemann. „Dass sie eine abschwellende und krampflösende Wirkung auf die Prostata haben, ist inzwischen durch Studien bewiesen.“ Im zweiten Stadium kommen chemische Medikamente zum Einsatz, die den Blasenausgang erweitern. Eine weitere Möglichkeit sei der Einsatz von Medikamenten, die die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron hemmen, erklärt der Chefarzt. Zu den Nebenwirkungen gehören aber auch ein abschwächender Effekt auf Libido und Potenz.

Bei starken Beschwerden beim Wasserlassen, spätestens aber bei einem unbehandelt lebensgefährlichen Harnverhalt, bei dem die Blase nicht mehr entleert werden kann, ist eine Operation unumgänglich. Dabei wird die Prostata ausgeschält und so der Blasenausgang erweitert. Bei der klassischen Operation wird das überschüssige Gewebe mit einem Elektroinstrument über die Harnröhre entnommen.

Alternative ist die Therapie mit dem Kalium-Titanyl-Phosphat-Laser, wegen der charakteristischen grünen Farbe des Lichtstrahls auch „Greenlight-Laser“ genannt. Dieses Gerät verdampft überschüssiges Prostatagewebe nahezu unblutig und besonders schonend durch Laserenergie. Deshalb können mit dieser Methode auch Patienten behandelt werden, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, ohne dass sie diese vor einer Operation absetzen müssen, betont Dr. Wiedemann. „Wir bieten dieses Verfahren am Evangelischen Krankenhaus ohne Aufschlag an.“ Allerdings sei der Laser nicht in allen Fällen die bessere Wahl: Wenn zum Beispiel eine Gewebeuntersuchung erforderlich ist, um den Verdacht auf eine bösartige Erkrankung auszuschließen, kommt nur die klassische Methode infrage.

Ob Vorbeugung möglich sei, lautet eine Frage aus dem Publikum. „Njet“, die klare Antwort von Dr. Bongert. „Eine Prostatadiät ist Quatsch“, betont auch Dr. Wiedemann, ergänzt die Aussage seines niedergelassenen Kollegen aber etwas. „Wer in jungen Jahren auf pflanzliche Ernährung umsteigt, könnte im Alter von Prostatabeschwerden verschont bleiben“, erklärt der Chefarzt. „Nachteil: Das Meiste schmeckt nicht.“ Müsli, Kleie, ungeschälter Reis, viele Ballaststoffe, Gemüse und Tee wären für eine prostatafreundliche Ernährung erlaubt. Immerhin: Wein auch.

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Bilderstrecke: Impressionen vom Patiententag "Gutartige Prostatavergrößerung"

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Verwaltungsleiter Joachim Abrolat begrüßt die Gäste.
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